Der Scheider Cup – Europas größtes Jugendturnier


Jeder junge Lacrosser und jede junge Lacrosserin in Europa kennt ihn, den Scheider Cup. Einmal im Jahr kommen Teams aus allen Ecken des Kontinents in Frankfurt am Main zusammen um an einem Wochenende Lacrosse zu spielen. Wir waren für euch vor Ort und berichten. 

In Europa dominiert jene Sportart, welche nach einem simplen Motto funktioniert: „Der Ball ist rund, und ein Spiel dauert 90 Minuten“. Nach König Fußball kommt lange nichts. Das gilt auch für Lacrosse. Es ist ganz klar auf dem Kontinent, wo vor 150 Jahren in England der moderne Fußball erfunden wurde, eine Randsportart. Dies gilt nicht nur für den Seniorenbereich, sondern auch für die Jugend. Doch einmal im Jahr sammelt sich am ersten Oktoberwochenende in Frankfurt am Main der europäische Lacrossenachwuchs.  Auf den altehrwürdigen Plätzen des traditionellen Rugby Vereins SC 1880 Frankfurt dominiert an diesen Tagen nur die Sportart Lacrosse. Fast 400 Spielerinnen und Spieler aus 25 verschiedenen Mannschaften machten sich in diesem Jahr auf die Reise in die hessische Metropole um an der sechsten Edition des Turniers teilzunehmen. Mit Teams aus Belgien, Polen, Tschechien, Schweden, Lettland und Deutschland waren in diesem Jahr sechs Nationen vertreten. Über 80 Helfer und Helferinnen des SC1880 Frankfurt kümmerten sich dabei um einen reibungslosen Ablauf. Gespielt wurde bei den Mädchen, sowie bei den Jungs in den Altersklassen U14 und U19. 

Das polnische u14 Team: Kosynierzy Wroclaw

Tschechische Dominanz in allen Altersklassen

Seit 2015 gehört der Scheider Cup fest in den Kalender der europäischen Jugendteams. Der Namensgeber des Turniers ist Bob Scheider. Er hat vor vielen Jahren Pionierarbeit in Frankfurt geleistet und sich für den Wachstum des Sports in Deutschland eingesetzt. Auf seiner alten Wirkungsstätte stand an diesem Wochenende alles unter dem Motto Lacrosse für die Kleinen. Sonst wird hier vorrangig im Rugby und Hockey im großen Stil um Titel gekämpft. Unter strahlend blauem Himmel startete das Turnier am Samstag mit den ersten Spielen. 

Das u19 Sieger Team: LCC Wolves

Vor allem die Teams aus Tschechien strahlten in allen Altersklassen eine übergreifende Dominanz aus. Besonders dominierten die Jugendlichen des LCC Radotin, die mit über 50 Kindern nach Frankfurt gereist waren und am Ende tatsächlich in allen Altersklassen die Sieger stellen konnten. Einer der prägendsten Gestalter des böhmischen Powerhouse ist Brian Witmer. Der gebürtige Amerikaner ist schon seit einigen Jahren in der tschechischen Hauptstadt Prag im Jugendlacrosse engagiert. Er sieht den Scheider Cup positiv:“It’s good getting kids out and playing. A lot of these kids haven’t seen games much, especially not internationally, because nobody was able to travel to play. I wish tournaments like this would happen more often because the kids need the gametime.” 

Nur das Niveau der Schiedsrichter sieht Witmer als verbesserungswürdig. „The kids need the best officials. At the adult level you can get by, because everybody knows the rules, but the kids often don’t know the rules and need to learn them from the best.“ 

Die Stimmung beim Turnier war trotz der oft etwas einseitigen Spiele hervorragend. Das bunte Publikum, die gute Organisation und die einzigartige Sportanlage nahe des Zentrums der Mainmetropole sorgten für viele freudige Gesichter an diesem Wochenende. 

Das Turnier als Kaderschmiede

Welchen Stellenwert das Turnier vor allem für die Spielerinnen und Spieler hat, macht auch Lasse Volquardsen, Spieler der U19 vom SC1880 Frankfurt und Topscorer des U19 Wettbewerbs der Herren deutlich: “Der Scheider Cup ist das Turnier, auf das man sich als Jugendspieler jedes Jahr am meisten Freut. Das Niveau ist relativ hoch und es macht wirklich Spaß hier zu spielen.”

Lasse Volquardsen beim Dodge

Lasse kommt aus Frankfurt und spielt dort seit 2018 Lacrosse. Im Vergleich zu vielen anderen Vereinen kann er froh sein, dass dort überhaupt ein Jugendprogramm existiert. Nach dem Gewinn der deutschen U16 Meisterschaft im Jahr 2018, geht er nun als Attacker für die ersten Herren des SC 1880 Frankfurt auf Torejagd. Der Sprung von der Jugend zu den Herren ist in ganz Europa für viele junge Spieler eine große Hürde. Einer der Gründe ist, dass es bis auf den Scheider Cup kaum Spielangebote für die jungen Spielerinnen und Spieler gibt, die aufgrund ihres Alters nicht mehr in der U16-Liga spielen dürfen. Lasses nächstes großes Ziel ist die U21 WM in Irland (Limerick), wo er auch für die deutsche Nachwuchsauswahl als Führungsspieler auf dem Feld stehen wird. Dafür trainiert der 18-jährige viel. Mehrmals pro Woche geht er in den Kraftraum. Den Schläger hat er sowieso so oft es geht in der Hand. Wallball, Schießen und viele Trainingseinheiten im Verein helfen ihm dabei sein spielerisches Niveau stetig zu verbessern. Die Rahmenbedingungen für Nachwuchs im Lacrosse ist vielerorts in Europa nicht optimal. Was für viele Jugendliche in Nordamerika mehr oder weniger als selbstverständlich angesehen wird, müssen sich junge Lacrosser und Lacrosserinnen in Europa mit viel Eigeninitiative oft selbst erarbeiten. Der Scheider-Cup ist daher eine wichtige Institution in Europa geworden. Mittlerweile haben mit Spielerinnen wie Pennelope Pennoyer, oder Spieler wie Per Olters, Eskander Ben-Aissa und Lukas Tophoven mehrere ehemalige europäische Nachwuchslacrosser es in die D1 oder D2 College Programme in den Staaten geschafft. Wenn die Zahl der verlorenen Lacrossebälle als Indiz für das Interesse an diesem Sport zählen darf, dann steht es nicht schlecht um die Zukunft des Sports in Europa. Von den über 400 für das Event bereitgestellten Bällen waren mehr als die Hälfte nach dem Turnier verschwunden. 

Ergebnisse des Turniers

Ergebnisse der u14 Mädchen & Jungs
Ergebnisse der u19 Damen
Ergebnisse der u19 Herren

Video Scheider Cup 2018 – Voices

Scheider Cup 2018 | Die Stimmen zum Cup!

Bilder Shutterlax Insta/Facebook

Autor: Gustav Weber

Posted by DLAXN