Wir kennen es aus den Staaten oder den lokalen Fussballvereinen. Hinter den aktuellen Kadern der einzelnen Teams stehen Unmengen an Generationen, die einst ebenfalls die Jerseys trugen, ihren Verein repräsentierten und diesen noch tief im Herzen tragen. Die Alumni oder auch Ehemaligen bleiben oft noch eng mit dem Team verbunden und spielen eine wichtige Rolle in Sachen Support und Bewusstsein der einzelnen Spieler.

Schauen wir auf Lacrosse – In den USA ist die Beziehung zwischen ehemaligen Spielern der Colleges eine ganz andere als hier bei uns in Deutschland. Ein super Beispiel dafür ist das Army vs Navy Game, bei dem jedes Jahr unzählige Alumni in die Stadien pilgern, um das traditionsreiche Spiel zu sehen. Nicht nur für die aktiven Spieler ist der Ausgang dieses Klassikers von ganz besonderer Bedeutung.

Eines der traditionsreichsten Spiele im College Lacrosse. Hier spielen die Alumni auch eine ganz besondere Rolle. Schaut doch mal rein (zumindest ab Minute 7:20).

Woher kommt diese Verbundenheit und warum scheint diese im deutschen Lacrosse oft zu fehlen?

Zuerst einmal muss man klar differenzieren. Die Anbindung des Lacrossesports in den USA an die Colleges bildet ein ganz anderes Komplettpaket als unsere deutschen Vereinsstrukturen. Die verschiedenen Klassen spielen vier Jahre gemeinsam auf dem Feld und arbeiten von Beginn an als eine Einheit, mehr oder weniger hauptberuflich als Lacrosse-Spieler*innen. Man repräsentiert seine Universität und spielt gegen Gegner mit fast identischen Strukturen. In Deutschland hingegen kommt eine unfassbare Vielfalt in den Vereinen zusammen. Oft spielen Schüler, Berufstätige und Studenten im selben Team und auch das Kommen und Gehen in den Vereinen ist deutlich frequenter. Das ganze muss aber nicht unbedingt als Hürde gesehen werden.

Wir haben auch mit Vertretern des Australischen Lacrosse-Verbandes Kontakt aufgenommen und auch hier ergab sich ein prägendes Bild von großartiger Alumni-Arbeit. Das australische Ligasystem basiert wie das deutsche auf Clubteams, wo Spieler aller Altersklassen zusammenkommen. Die Vereine Down-Under weisen oft große Tradition auf. Mehrere Generationen an Lacrossern liefen für die einzelnen Teams auf und fühlen sich verbunden. Hinzu kommt der soziale Aspekt und die Atmosphäre, die Alumnis immer wieder zurück zu den Wurzeln ziehen.

Die deutschen Lacrosse-Strukturen sind durchaus vergleichbar und müssten in Sachen Alumniarbeit nur zu ihren Vorteilen genutzt werden. Trotz der jungen deutschen Lacrosse Geschichte, gibt es nun immer mehr ehemalige Lacrosser und Lacrosserinnen die nicht mehr aktiv am Spielgeschehen teilnehmen. Damit diese sich nicht komplett vom Sport abwenden, ist es wichtig, Maßnahmen zu ergreifen, von denen am Ende alle profitieren. Auf der Ebene der Nationalmannschaften gibt es mit den Eichen und den Golden Girls bereits wichtige Ansätze. Es liegt aber auch an den einzelnen Vereinen und dem Verband ein Netzwerk und die notwendigen Gegebenheiten dafür zu schaffen.

Was kann man also tun, um die ehemaligen Spieler weiter rund um den Lacrosse-Sport zu halten?

Hier gibt es natürlich viele Möglichkeiten und Ansätze.

  • Regelmäßige Newsletter in E-Mail Verteilern
  • Alumni Whatsapp-Gruppen
  • gemeinsame Sommerfeste
  • Einladungen zu den Heimspielen
  • Teilnahme von Alumni-Teams an Sommerturnieren
  • kleine interne Alumni-Spieltage, an denen die Lacrosse-Schläger wieder in die Hand genommen werden
  • Gründung einer Alt-Herren-Mannschaft
  • Integration als Coach oder Assistant Coach
  • Kommentatoren bei Spielen

„Ehemalige als Referees erhalten“

Ein wichtiger Punkt, der das gesamte Lacrosse-System in Deutschland enorm entlasten könnte, wäre es, die ehemaligen Lacrosser*innen als Referees im Spiel zu halten. Mit der Erfahrung und der nötigen Entfernung vom aktuellen Spielgeschehen, sind Alumni die optimalen Schiedsrichter und würden als Gegenpart zu den oft überforderten und unsicheren unerfahrenen Schiedsrichtern fungieren. Dieses Phänomen ist besonders in anderen großen Lacrosse-Nationen (USA, Kanada, Australien) bei vielen Events zu sehen. Erfahrene Refs leiten die Spiele und lassen sich oft nicht aus der Ruhe bringen, da sie genug Erfahrung und Souveränität ausstrahlen. Um das gewährleisten zu können, muss jedoch ein System geschaffen werden, dass es guten und erfahrenen Spielern nach der aktiven Karriere ohne großen Aufwand und ohne große Komplikationen erlaubt, als Referee aktiv zu bleiben.

Ein letzter nicht zu vernachlässigender Punkt ist das richtige Verabschieden der scheidenden Spieler. Zum Abschied das Fan-Jersey behalten und bei den Spielen stolz als Fan tragen, wäre dabei doch eine schöne Maßnahme um den Kontakt zum ehemaligen Team zu halten und direkt eine bleibende Verbindung aufzubauen.

Posted by DLAXN