Regelwahnsinn im deutschen Lacrosse

Beginn letzter Woche bekamen alle Vereinsvertreter*innen eine Mail zu den neuen Regeländerungen. Ganz konkret ging es um vier/(fünf)Regeln:

  1. Over-and-Back Regel
  2. Quick Whistle
  3. Spielzeitverkürzung auf 4 x 15 Minuten
  4. (Kaderlimitierung auf 15 Personen)
  5. Sudden Death

Over-and-Back Regel

Unserer Meinung nach eine sinnvolle Regel, die das Spiel beschleunigt und schon seit geraumer Zeit im College aktiv ist. Es ist von nun an nicht mehr erlaubt, dass der Ball, sobald er in der Box der angreifenden Mannschaft bewegt wurde, zurück über die Mittelfeldlinie wandert. 

Falls dies passiert, wird der verteidigenden Mannschaft der Ball zu gesprochen. Im Zuge dessen kommt es oft zu der zweiten Regelung, die sich viele deutsche Spieler seit Jahren wünschen: Quick Whistle.

Quick Whistle

Sobald der balltragende Spieler bereit ist, sollte der Schiedsrichter anpfeifen, um den Spielfluss und die Schnelligkeit des Spiels zu bewahren. In dem Moment, in dem ein gegnerischer Spieler den Abstand von 5 Yards nicht einhält und somit verhindert, dass der balltragende Spieler loslaufen kann, wird eine Flagge geworfen und ein Delay of Game Penalty ausgerufen.

Spielzeitverkürzung

Aufgrund von allgemeinen Unverständnis unserer Seite hier die Erklärung des DlaxV für die neue Regelung:
,,Die Überlegungen hier sind vor allem strategischer Natur und langfristig angelegt. Kurzfristig mag es durchaus starke Argumente gegen die Umsetzung der neuen Regeln geben. Auf lange Sicht führt jedoch kein Weg daran vorbei. Der große Rahmen ist dabei das Ziel, Lacrosse auf die olympische Bühne zu bringen – und dieses Ziel steht für den DLaxV als vorrangigstes Ziel in der Satzung festgeschrieben.“

Die Zeit wird nun alle letzten 30 Sekunden im Viertel angehalten und die letzten 2 Minuten im Spiel.

Kaderlimitierung:

Im Zuge der Spielzeitverkürzung, soll auch der Kader auf 15 Personen limitiert werden. Dies steht jedoch noch nicht fest.

Sudden Death:

Die reguläre Verlängerung wird abgeschafft. Bei einem Unentschieden nach der regulären Spielzeit kommt es direkt zum Sudden Death.

Wie kommt es zu diesen Regeländerungen?

Die Regeländerung wurde im Zuge der Weltmeisterschaft 2018 in Netanya vom Weltverband beschlossen. Es ist jedoch die Entscheidung des Verbandes inwieweit die Regeln umgesetzt werden müssen.
Wenn das Land an einem internationalen Wettbewerb teilnehmen möchte, muss es sich jedoch an die neu festgelegten Regeln halten. Im Zuge der World Games 2021, entschied der deutsche Verband sich diese Regeln umzusetzen. 

Wer beschließt die Regeländerungen?

Die Schiedsrichterkommission hat unter anderem die Aufgabe, neue Regeln, die der Dachverband (FIL) beschließt, in den deutschen Ligen umzusetzen und/oder sie zu verändern, damit sie mit dem deutschen Lacrosse harmonisieren.

Wie werden die Regeländerungen beschlossen?

Die Schiedsrichterkommission, bestehend aus den Schiedsrichtervertretern der verschiedenen Ligen, entscheidet, ob diese Regeln mit dem bestehenden Level des deutschen Lacrosse harmonisieren und entsprechen eine Empfehlung aus. Diese wird dann an die Ligaleitungen und den Vorstand weitergegeben. Diese schreiben dann zusammen die neue Spielordnung. Bei weiteren Fragen wendet euch an den leitenden Herrenschiedsrichter Christian Geschke (c.geschke@dlaxv.de) und/oder den Pressewart Matthias Lehna (presse@dlaxv.de).

Wann werden die Regeländerungen für Deutschland beschlossen?

Diese Regeln werden bei der dem Treffen der Schiedsrichterkommission beschlossen. Eine fand während der Berlin Open statt. Dies wissen wir jedoch auch nur aufgrund von Nachfrage.

Nach der Vorstellung dieses doch sehr wichtigen Amtes stellt sich uns die Frage, wie die Kommunikation und Transparenz nur so schleppend sein kann.

Es werden neue Regeln beschlossen, ohne dass die meisten Verbandsmitglieder davon etwas mitbekommen. Es gibt keinerlei bis wenig Transparenz in Bezug auf die Zusammensetzung der Schiedsrichterkommission oder deren Entscheidungsprozesse. 

Auch der Pressewart des DlaxV Matthias Lehna ist von der Kommunikation enttäuscht und äußert sich folgendermaßen: 

„Als Sprecher vom Verband kann ich jeden Missmut zu diesem heiklen Thema vollkommen nachvollziehen. Die Kommunikation hätte im Vorfeld bei den anstehenden tiefgreifenden Änderungen im Spielbetrieb der Herren besser laufen müssen. Da müssen wir als Verband deutlich besser werden.“

Warum wir der Meinung sind, dass die Regeländerung der Spielverkürzung nicht dem Wachstum im deutschen Lacrosse fördert, sondern schädigt.

Unserer Meinung nach sind die neuen Regeln der „Quick Whistle“, „Over-and-Back“ und „Sudden Death“ sinnvoll und können dem Sport nur helfen schneller zu werden und attraktiver zu werden.

Der Änderung der Spielzeitlänge zu 4 x 15 Minuten stehen wir jedoch sehr kritisch gegenüber. Natürlich wollen wir alle, dass unser Sport wieder olympisch wird. Aber ist es der richtige Weg, neue Regeln vom Dachverband umzusetzen, ohne sich mit den Spielern auseinanderzusetzen?  

Welche Probleme haben wir mit der Spielzeitverkürzung?

  • Generell weniger Lacrosse zu spielen, finden wir schade
  • Lange Auswärtsfahrten und noch kürzere Spiele? Wenn man 3 ½ Stunden fährt, möchte man auch spielen
  • Der Sport wird weder spannender noch schneller. Ballbesitz wird noch wichtiger und die Idee den Ball bei einer Führung zu halten klingt attraktiv
  • Die Zeit, die nach einem Tor bis zum Faceoff vergeht, ist relativ lang. Die aktive Spielzeit wird extrem verkürzt
  • Wenn die Spielzeit verkürzt wird, muss in derselben Saison auch die Kaderlimitierung stattfinden, ansonsten ist die aktive Spielzeit der Spieler viel zu kurz

Wir haben uns die außerdem die Arbeit gemacht und nachgerechnet, wie viel Zeit verloren geht zwischen Tor/Wiederanpfiff und Strafzeit/Wiederanpfiff. Als Beispiel soll das Deutsche Meisterschaftsfinale zwischen Hamburg und Köln genutzt werden.

Im ersten Viertel im Spiel der deutschen Meisterschaft fielen vier Tore und es dauerte im Schnitt ≈38 Sekunden bis zum Wiederanpfiff. 

In den Playoffs und Deutschen Meisterschaft sind in 14 Spielen 294 Tore gefallen. Wenn wir das letzte Viertel weglassen, um es an die neuen Regeln anzupassen, 60 Minuten Spielzeit, dann sind es 214 Tore.

Pro Spiel fallen im Schnitt 15,29 Tore. Wenn wir das mit der Verzögerung von Tor bis zum Faceoff verrechnen, kommt man auf durchschnittlich 9,7 Minuten.

In einem Spiel gibt es jedoch noch weitere Verzögerungen, zum Beispiel die Strafzeiten. Auch hier nehmen wir das Finale der deutschen Meisterschaft als Beispiel. Von Abpfiff des Spieles aufgrund eines Fouls bis zum Wiederanpfiff vergingen im Schnitt ≈18 Sekunden. 

In der gesamten Endrunde des deutschen Lacrosse gab es 159 Strafzeiten. Das macht ≈11 pro Spiel. Verrechnet man dies mit der durchschnittlichen Verzögerung von 18 Sekunden, verliert man pro Spiel weitere 3,3 Minuten.

Die ganzen Verzögerungen finden auch statt, wenn wir 4 x 20 Minuten spielen, allerdings haben wir dort mehr Spielzeit und somit auch mehr aktive Spielzeit für die Spieler. Mit der neuen Spielverkürzung würde die Spielzeit von 60 Minuten auf 47 Minuten gekürzt werden. 

Fazit:

Die Kommunikation zwischen Verband und Mitgliedern muss besser werden. Gerne kann sich die Schiedsrichterkommission auch an uns wenden. Wir helfen gerne bei der Kommunikation, um die Transparenz zu fördern.

Die Einführung von neuen Regeln sollte keine Überraschung sein. Viele Leute, mit denen wir gesprochen haben, fanden die Einführung der neuen Regeln überraschend und nicht gut kommuniziert. Die Transparenz des Prozesses solcher Thematiken muss sich verbessern.

Die neuen Regeln sollen mit dem Motto #GrowTheGame harmonisieren und zum deutschen Lacrosse passen. Wir sind der Meinung, dass die Verkürzung der Spielzeit das Gegenteil bewirkt, weil für kleinere Vereine sich Auswärtsfahrten nicht mehr lohnen, da sie weniger spielen und die Auswärtsfahrtkosten sich erhöhen.

Die Strategie von langen Posessions und langsamen Lacrosse wird weiterhin belohnt, wenn nicht sogar vereinfacht. Das führende Team kann den Ball weiterhin halten, da es keine Shotclock/Clearing Clock gibt. Teams können das Spiel noch einfacher verlangsamen, da es weniger Spielzeit gibt. Unserer Meinung nach, kann das nicht das Ziel sein.

Außerdem werden wir nach diesen Regeln nur noch knapp 47 Minuten spielen und für manche Auswärtsfahrten über 3 Stunden zu fahren, nur um 47 Minuten Lacrosse zu spielen, finde wir fragwürdig. Angenommen, man wechselt gleichmäßig bei einem Roster von 23 Spielern durch, dann spielt erhält jeder Spieler ganze 20 Minuten Game Time. 

Unserer Meinung nach könnte man dieses Problem lösen, indem die Stop-Clock für das ganze Spiel eingeführt wird. Dadurch kommt es zu keinem Zeitverlust und man hat eine aktive Spielzeit von 60 Minuten, alternativ kann man natürlich auch einfach mit 20 Minuten weiterspielen.

Was denkt Ihr darüber? Schreibt uns gern Kommentare!

3 Gedanken zu „Regelwahnsinn im deutschen Lacrosse

  • 15. Juli 2019 um 13:32
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    Ich halte die 60 Min-Stopclock Variante auch für die Beste.

    Und warum nicht beim Alten bleiben? Die Balltreter dürfen doch sogar olympisch 90 Minuten spielen. Das sind, mit Pausen und Verlängerungen auch gerne mal 110 bis 120 Minuten zwischen An- und Abpfiff.

    Generell kann man auch fragen, warum man bei den Regeländerungen vor wenigen Jahren auch auf metrische Feldmaße umgestellt und somit das Feld unnötig vergrößert hat.

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  • 15. Juli 2019 um 19:36
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    4×15 Minuten sind viel zu wenig für die zu fahrenden Distanzen meiner Meinung nach.

    Wird die geplante Kaderverkleinerung durchgesetzt, stellt sich mir dazu die Frage, ob mehr als ein Team pro Verein in der gleichen, ggf. auch der ersten Liga spielen darf? Sonst würden von einem ersten Team mit 23 Mann Kader auf einmal 8 Spieler in die 2. Liga ‚verbannt‘ werden. Dadurch könnte man natürlich das Niveau der 2. Liga steigern (was für junge Vereine nicht nur gut wäre) oder man verliert Spieler, die keine Lust auf 2. Liga haben. Gibt es zu diesen Plänen schon Details?

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  • 16. Juli 2019 um 12:59
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    60 Minuten spielen ohne Stop Clock ergibt wenig Sinn meiner Meinung nach. Es soll der Sport für Olympia angepasst werden? Dann sollte man das auch so durchziehen mit den Änderungen. Verlgeich: Handball und Eishockey. Auch hier werden 60 Minuten gespielt, nach jedem Tor und jeder anderen Unterbrechung wird die Zeit angehalten. Um es einheitlich machen zu wollen, ist hier eine Stop Clock einzuführen.

    Bezüglich der Kaderverkleinerung. Ein Sprung von 23 auf 15 Spieler ist meiner Meinung nach sehr hart. Eine Anpassung auf 18 oder 20 Spieler würde ich hier eher als sinnvoll ansehen, v.a. wenn man ernsthaft über 4×15 MIT stop clock nachdenkt

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