Recap der Damen Playoffs in Hannover

Am 8. und 9. Juni wurden in Hannover die diesjährigen Playoffs im Damen Lacrosse ausgespielt. Zwar haben es die gleichen Mannschaften wie im letzten Jahr zu den Deutschen Meisterschaften geschafft – dennoch hielt das Wochenende auch einige Überraschungen parat. Wir waren vor Ort und haben uns das ein oder andere Spiel etwas näher angeschaut.

Hannover vs Leipzig
Das Wochenende der Damen Playoffs wurde samstags vom Gastgeber Hannover eröffnet. Die Damen spielten gegen den ATV Leipzig und konnten ihre Erstplatzierung in der Nordliga klar mit einem 12:1 Sieg unterstreichen. Die kontinuierliche Leistung von 3 Toren pro Quarter zeigte die Gelassenheit und Sicherheit, mit der die Mannschaft in dieses erste Spiel gestartet ist.
Topscorer der Hannoveranerinnen war Mareile Kriwall mit 3 Toren und 2 Assists. Das Tor für Leipzig schoss Lisa Weihs.

Köln vs Karlsruhe
Gleichzeitig trafen der Tabellenerste Köln aus der Westliga auf den Tabellenzweiten der Bundesliga Süd, Karlsruhe. Hier wurde es spannend. Nach dem ersten Tor der Kölnerinnen nach 30 Sekunden konnten sie erstmal nicht gestoppt werden und blieben bis zum ersten Quarter 3:1 in Führung. Karlsruhe konterte danach allerdings auf jedes Kölner Tor mit einem eigenen und so stand es nach der Halbzeit 5:4 für Köln. Bei so einem Ergebnis kann noch viel geschehen, aber den Kölnerinnen gelang im dritten Quarter nur ein einziges Tor und die Karlsruherinnen erzielten kein Tor. Gelbe Karten wurden hingegen im dritten Quarter an jedes Team zwei Mal verteilt. Man konnte erkennen, dass beide Teams zum Ende hin deutlich nervöser wurden und mit aller Kraft gewinnen wollten. Das konnte Karlsruhe im letzten Quarter nicht auf sich sitzen lassen und wurden nach einem weiteren Tor von Köln in den letzten Spielminuten noch einmal richtig gefährlich. Bis zu einem 7:6 konnten sie sich an die Gegner heranarbeiten, jedoch reichte ihnen am Ende die Zeit nicht mehr und die Kölnerinnen konnten ihren ersten Sieg des Tages verbuchen. Topscorer für  Köln war in diesem Spiel Nina Limburg, für Karlsruhe war es Bianca Lachmann.

Victoria Berlin vs Hamburg
Samstagnachmittag traf Victoria Berlin auf Hamburg. Hamburg spielte hier deutlich die Erfahrung der letzten Jahre aus. Mit 1:3 im ersten Quarter und 2:7 in der Halbzeit war zwar noch nicht alles entschieden, aber doch relativ deutlich erkennbar, wie stark Hamburg zu den Playoffs gereist war. Hamburg schaffte es den Abstand auf 11 Tore auszubauen, aber Victoria kämpfte weiter und schaffte es noch einmal in den letzten 10 Minuten des Spiels vor das gegnerische Tor zu kommen. Hamburg behielt jedoch das letzte Wort und beendete die Partie mit 3:16. Die Berliner Topscorerin war Sinem Ünlü (2 G), für Hamburg traf Emma Mollenhauer am häufigsten (5 G, 2 A).

München vs Frankfurt
Frankfurt ist nach vier Jahren Abstinenz erstmals wieder bei den Playoffs gewesen und war heiß auf die Begegnungen mit den besten deutschen Teams. Dies zeigte sich, als eine Frankfurterin das erste Tor der Partie schoss. Doch die jahrelange Erfahrung der amtierenden Deutschen Meister ließ sich dadurch nicht erschüttern: Nach guten 10 Minuten war das Eis bei den Münchenerinnen gebrochen und so kassierte Frankfurt bis zur Halbzeitpause 7 Tore. Die Rookies sammelten sich in der Halbzeit und konnten ein weiteres Tor erzielen. Für das nächste Quarter konnte vor allem die Verteidigung einiges an Angriffen der Münchener abhalten und so ging es mit einem 9:2 in das letzte Quarter. Leider hielt die Verteidigung nicht wie zuvor und ermöglichte München drei weitere Tore. Mit 12:2 und 10 Minuten auf der Uhr schien das Spiel sehr deutlich verloren. Dann aber fanden die Frankfurterinnen den Schalter noch einmal und zeigten noch einmal, weshalb sie in den Playoffs spielten. Mit drei weiteren Toren und keinem weiteren Treffer für München, verließen die Frankfurterinnen zwar als Verlierer den Platz, hatten aber gezeigt, was sie können. Für München erzielte Lisa Neubert die meisten Tore und Marlene Steyer war Topscorer für Frankfurt.

Hannover vs Köln
Die erste Entscheidung für das Meisterschaftswochenende fiel Samstagnachmittag zwischen Hannover und Köln. Beide Teams hatten bereits ihr erstes Spiel gewonnen und konnten sich mit einem Sieg für die DM qualifizieren. Der Druck war hoch und Köln konnte sich das erste Tor sichern. Hannover ließ nicht lange auf sich warten und konterte mit drei aufeinanderfolgenden Toren bis zur ersten Pause. Das zweite Quarter verlief eher ruhig. Köln verkleinerte mit einem Tor den Abstand zu den Gegnern und konnte nach der Halbzeitpause den Punktestand ausgleichen. Jetzt war wieder alles auf null. Die Kölnerinnen tauten im dritten Quarter richtig auf und verschafften sich im vierten Quarter einen Vorsprung von 4 Toren auf ein 4:8. Alles schien in der 50. Minute geklärt zu sein, doch die Hannoveranerinnen ließen nicht locker und verteidigten ihre Ehre als langjährige Meister und Vizemeister gebührend. Nach 58 Minuten stand es 8:8 und das Spiel ging in die Verlängerung. Zunächst standen 2 Mal 4 Minuten in der Overtime an, um den Sieger zu ermitteln. Doch nach 68 Minuten Spielzeit war kein entscheidendes Tor gefallen. Auch in den nächsten 4 Minuten geschah nichts und das Spiel musste weitere 4 Minuten verlängert werden. Jetzt wurde nur noch auf das Golden Goal gewartet, welches die Partie beendete. Zu diesem Zeitpunkt jedoch kam es wohl zu unangemessenen Bemerkungen des Trainerstabs aus Hannover gegenüber Kölner Spielerinnen. Diese Aktion wurde durch die Schiedsrichter mit einer gelben Karte geahndet. Jedoch folgten keine Konsequenzen für das Hannoveraner Team. Vorschriftsmäßig hätte eine Feldspielerin mit 2 Minuten Strafzeit aus dem Spiel genommen werden müssen. Dies passierte nicht und Köln sah sich in dieser Situation sichtlich benachteiligt. Das Spiel ging hart umkämpft weiter und schließlich gelang es Hannover, nach 79:56 Minuten den entscheidenden Treffer zu erzielen, der sie direkt zur Deutschen Meisterschaft qualifizierte.
Das Kölner Team bemängelte sogleich die Entscheidung des Schiedsrichterteams und versuchte auf Grundlage des Regelwerks zu argumentieren. Letztendlich wurde das Spiel aber als Sieg der Hannoveranerinnen anerkannt und Köln hatte am Sonntag erneut die Möglichkeit, sich für die DM zu qualifizieren.

Victoria Berlin vs Frankfurt
Weiter ging es am Nachmittag mit dem Spiel Victoria Berlin gegen den SC 1880 Frankfurt. Beide Teams rechneten sich sicherlich gleichermaßen Chancen auf einen Sieg aus. Frankfurt startete – trotz des starken Spiels gegen München – erstaunlich verschlafen in die Partie und erlaubte Victoria, das erste Tor zu erzielen. Trotz eines schnellen Gegentores ging Victoria bald mit 4:1 in Führung und nahm mit viel Geduld beim Clear den Frankfurterinnen die Zeit von der Uhr. Erst in Minute 25 zeigte Frankfurt, dass sie noch dabei waren, konnte jedoch bis zur Halbzeit nicht mehr richtig ins Spiel finden. Nach der Halbzeitpause sorgte eine Unterbrechung durch das Kölner Damenteam für Aufruhr, die mit der leitenden Damenschiedsrichterin Nathalie Morof das hart umkämpfte Spiel gegen Hannover und die Fehlentscheidung bei der gelben Karte diskutierten. Nach der Unterbrechung gelang es dem Frankfurter Damenteam nur geringfügig, ihr Spiel aufzuräumen. Victoria erzielte ein weiteres Tor, bevor sich Frankfurt etwas fangen konnte und auf 6:5 verkürzte. Dann jedoch lief Frankfurt die Zeit davon. Da Victoria weiterhin die Draws holte, musste Frankfurt mehr Druck machen, was Victoria die Möglichkeit bot, drei weitere Tore zu erzielen. Am Ende ging die Partie mit 9:5 an Victoria. Frankfurt war damit raus und für Victoria stand am nächsten Tag das Spiel gegen Köln an.

München vs Hamburg
Mit München und Hamburg standen sich der amtierende Deutsche Meister sowie der Viertplatzierte aus dem letzten Jahr gegenüber und die Partie hielt definitiv, was sie versprach: Über die vollen 60 Minuten waren hier zwei starke Teams zu sehen, die sich nichts schenkten und es blieb spannend bis zur letzten Spielminute. Zunächst sah es danach gar nicht aus: Nach einem schnellen ersten Tor für Hamburg, fand München gut ins Spiel und erzielte die nächsten vier Tore, bevor Hamburg kurz vor Ende des Quarters noch mal zwei Buden machen konnte. Die nächsten 10 Minuten waren hart umkämpft, die jeweiligen Verteidiger spielten mit viel Geduld und es ging hin und her, ohne dass ein Team den Kasten treffen konnte. Kurz vor der Halbzeit machte München noch das 5:3. Offenbar sortierten sich die Münchenerinnen in der Pause etwas besser als die Hamburgerinnen – sie lieferten nämlich im dritten Quarter vier weitere Tore ab, während Hamburg nur eins erzielte. Mit einem recht deutlichen Spielstand von 9:4 schien die Partie beinahe schon entschieden. Doch die Hamburgerinnen bewiesen sehr deutlich, dass mit ihnen noch zu rechnen war. Mit einem Mal gewann Hamburg ab Quarter Nummer 4 den Draw, traf ein weiteres Mal und sorgte mit einem Stickcheck-Call für Aufregung: Der Münchener Treffer zum 10:5 wurde wegen eines illegalen Sticks aberkannt, somit ging das Scoreboard wieder auf 9:5 zurück und München schien offensichtlich verunsichert. Hamburg holte auch die nächsten Bälle und spielte sich mit einer konzentrierten und geduldigen Offense nach und nach an die Spitze. An Spannung war diese Partie kaum zu überbieten: 45 vor Schluss erzielte Hamburg das 10:9 und konnte die verbleibenden Sekunden runterspielen, ohne dass München noch einmal treffen konnte. Der amtierende Meister musste somit am Nachmittag noch einmal ran, während Hamburg nach zwei direkten Siegen für die Meisterschaft qualifiziert war.

Karlsruhe vs Leipzig
Auch Karlsruhe und Leipzig zeigten im Spiel nebenan, dass sie sich nicht viel schenkten: Hier fand Leipzig deutlich besser ins Spiel und konnte in den ersten 6 Minuten bereits drei Tore erzielen, bevor Karlsruhe ihre Verteidigung sortierte, Leipzig erst einmal vom Tor fernhielt und sich ebenfalls drei Treffer erarbeiten konnte. Das zweite Quarter zeigte die Karlsruherinnen dann deutlich überlegen, die mit 6:4 in Führung gingen, bevor Maike Böckenhoff ihren dritten Treffer der Partie für Leipzig verwandeln konnte. Im dritten Quarter holte Leipzig zunächst auf, doch Karlsruhe blieb immer einen Schritt voraus und konnte vor Ende des Quarters erneut mit zwei Toren zum 9:7 in Führung gehen. Damit gab sich Leipzig jedoch noch keinesfalls geschlagen. Mit zwei weiteren Buden glichen sie auf ein 9:9 aus – knapp 12 Minuten vor Spielende. Die Spannung war mit Händen greifbar, die Teams schenkten sich gar nichts und erkämpften jeweils immer wieder den Ball.
In der buchstäblich letzten Minute gelang Karlsruhe durch ein schönes Teamtor das 10:9, 50 Sekunden vor Abpfiff. Leipzig gelang es nun nicht mehr, ein weiteres Mal auszugleichen und so zog Karlsruhe schließlich in die nächste Runde und ins Spiel gegen München ein, wo sie um den letzten freien Platz für das Meisterschaftswochenende kämpften.

Köln vs Victoria Berlin
In der vorletzten Begegnung des Tages traf nun Köln auf Victoria Berlin. Hier ließ Köln – sicherlich umso heißer auf die Deutsche Meisterschaft nach ihrer knappen Niederlage gegen Hannover – definitiv nichts anbrennen und ging im ersten Quarter direkt mit 6:0 in Führung. Auch im zweiten Quarter gelang es Berlin kaum, den Ball zu erobern und so traf Köln bis zur Halbzeitpause weitere drei mal. Erst im dritten Quarter gelang es Victoria, mit zwei Treffern auf sich aufmerksam zu machen, insbesondere auch dann, als das Spiel der Kölnerinnen ruppiger wurde und die erste gelbe Karte für Pushing verteilt wurde. Doch das irritierte die Kölnerinnen nur mäßig. Mit je einem weiteren Tor im dritten und im vierten Quarter, jedoch zwei weiteren gelben Karten für Pushing, ging das Spiel am Ende mit einem deutlichen 11:3 an Köln. Der KKHT konnte sich somit sein Ticket für die Meisterschaft doch noch lösen.

München vs Karlsruhe
Im letzten Spiel schließlich traten München und Karlsruhe gegeneinander an. Die beiden Kontrahenten aus der Südliga kennen einander durchaus gut und Anfang der Saison war eine Begegnung unentschieden ausgegangen. Dennoch ließ der amtierende Meister aus München an dieser Stelle gar nichts anbrennen. Karlsruhe bekam im ersten Quarter kaum Gelegenheit zum Tor zu gehen, während München direkt vier Tore erzielte. Das zweite Quarter holte Karlsruhe und verkürzte auf 2:4, doch München sammelte sich nach der Halbzeitpause sichtlich und ließ Karlsruhe keine Chance, die Partie auszugleichen. Mit drei Toren im dritten und auch drei Toren im vierten Quarter, ging München mit einem klaren 10:2 Sieg aus der Begegnung und sicherte sich so den letzten freien Platz für die DM in zwei Wochen.

KIT SC Karlsruhe Storm Lacrosse

Es war ein spannendes Wochenende, mit vielen knappen Spielen sowie auch der großen Überraschung, dass Hamburg den Deutschen Meister in letzter Minute besiegen konnte. Man darf gespannt sein, was uns nun beim Meisterschaftswochenende in Düsseldorf erwartet. Dieses Jahr wird es das erste Mal seit 2010 ein anderes Finale geben: Die Meister und Vizemeister der letzten Jahre, München und Hannover, treffen bereits im Halbfinale aufeinander.
Wir sind voller Vorfreude auf eine spannende Meisterschaft des Damen Lacrosse 2019! Stay tuned!

Am Wochenende der deutschen Meisterschaft treffen um 13:30 Uhr Hannover und München aufeinander und um 16:00 Uhr Hamburg auf Köln.

Foto-Credits gehen an fotoroland.de – vielen Dank an dieser Stelle!

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