FSJ – Lacrosse – by Constantin Klinger

Im Jahr 2011/12 gab es mit Caspar Zizka den ersten Lacrosse FSJler Deutschlands. Da ich im Januar 2012 mit Lacrosse angefangen habe, war Caspar damals mein Trainer in der Frankfurt U16. Mit damals 16 Jahren war ich relativ spät dran für Frankfurter Verhältnisse und wusste auch schon, dass ich nur eine halbe Saison in der Frankfurter Jugend spielen werde. Nach einiger Zeit als Assistenztrainer der Jugend habe ich 2014 mein Abitur gemacht und wusste wie viele damals nicht, was ich nach der Schule machen will. Mir war aber auch klar, dass ich nicht wie der Rest meiner Generation nach Down Under zum Reisen wollte. Da ich aber auch nicht direkt studieren wollte, entschied ich mich für ein FSJ beim SC 1880 Frankfurt in der Lacrosse Abteilung.

Die ersten Wochen meines FSJ verhielten sich wie mein normaler Alltag nach dem Abi. Ich war jeden Tag auf dem Platz und habe Lacrosse gespielt und gecoacht. Ab und zu habe ich noch ein paar administrative Aufgaben im Sekretariat des Clubs übernommen. Als dann die Schule wieder anfing, begann auch mein Alltag sich zu füllen. Jeden Tag stand eine neue Schul Ag oder ein neuer Sportkurs vor mir und wunderte sich, was ich da mit diesem „Stick“ mache. Da ich schon sehr oft mit Kindern zusammengearbeitet habe, fiel es mir nicht sonderlich schwer, die Basics des Lacrosse zu vermitteln. Da ich Kinder von allen möglichen Schulen aus allen Alterklassen gecoacht habe, wurde es nie langweilig. Zwischen den AGs und Schulklasse verbrachte ich die meiste Zeit mit Wallsballs, Sprints und Krafttraining. Als dann im Oktober auch das Wintersemester an der Goethe Universität in Frankfurt wieder anfing, ergab sich mir die Möglichkeit, den ersten Uni-Sportkurs in Frankfurt anzubieten. Dies ermöglichte ein Vater der Jugendspieler, den ich damals coachte. Hier zahlte sich das FSJ das erste Mal aus. Mitte Oktober stand dann der erste Uni-Sportkurs an. Hier stand ich aber einer Herausforderung gegenüber, mit der ich bis dato noch keine Erfahrung gesammelt hatte. Ich musste das erste mal eine Gruppe gleichaltriger oder älterer Erwachsenen coachen. Da es sich bei der Gruppe um Studenten handelte, die einfach neue Leute kennenlernen wollten und sich dabei ein wenig verausgaben wollten, stellte sich der Uni-Sportkurs als mein wöchentliches Highlight heraus. Mittlerweile hatte ich einen relativ klaren Stundenplan, der sich aus mehreren zweistündigen Lacrosseeinheiten zusammenstellte. Dazu kamen am Wochenende dann immernoch die eigenen Spiele mit der Herrenmannschaft, die Jugenspieltage und Ref-termine. Ich war also fast jeden Tag mit Lacrosse beschäftigt. Aber genauso habe ich es mir auch vorgestellt und gewünscht.

Meine erste Lacrossepause ergab sich bei dem ersten Fortbildungsseminar, das alle FSJler des Landessportbundes Hessen absolvieren musste. Hier lernten wir alles, was es um organisierten Sport zu wissen gab. Wir verbrachten 5 Tage im Sportzentrum an der Frankfurter Commerzbank Arena. Jeder Tag bestand aus zwei Einheiten. Eine war eine praktische Sporteinheit, in der wir neue Übungen und Spiele lernten, die andere befasste sich mit theoretischen Themen wie Pädagogik und Physiotherapie. Abends hatten wir dann meistens freiwillige Programmpunkte, konnten unsere Freizeit aber auch bei dem einen oder anderen Kaltgetränk begießen. Insgesamt gab es fünf dieser Seminare, zwei Allgemeine, zwei Sportartspezifische und ein Abschlussseminar am Edersee. Diese Seminare waren eines der Highlights des FSJ, da es einfach überragend war, sich gemeinsam mit den anderen FSJlern und unseren Teamern sportlich zu verausgaben und immer neue Dinge zu lernen. Bis zu den Winterferien lief mein Alltag ganz normal ab und ich konnte nicht genug von Lacrosse bekommen. Nach einer dreiwöchigen Winterpause konnte ich es kaum erwarten, auch in 2015 so viel Lacrosse zu spielen und coachen, wie es nur möglich war. In den ersten Monaten des Jahres sind mir zwei Dinge besonders aufgefallen. Zum einen hatten wir bei den U16 eine extrem starke Truppe, die die Südliga ungeschlagen dominierte und zum anderen zahlten sich auch in meinem eigenen Spiel die unzähligen Wallball-, Sprint- und Krafttrainingsessions aus. Mit diesen zwei Erkenntnissen setze ich mir auch zwei klare Ziele. Ich wollte mit den U16 Junioren deutscher Meister werden und mich selbst über die Open Tryouts in den Kader der deutschen Herrennationalmannschaft spielen. Meine U16 Jungs waren, der gleichen Meinung und nahmen sich dem gesetzten Ziel an. Ich meldete mich als einziger Frankfurter für die Open Tryouts der Herrennationalmannschaft in Berlin und Ulm an und trat dort an. Nach vielen weiteren mit Lacrosse gefüllten Wochen bewies ich mich bei den Tryouts und auch die U16 Truppe zeigte ihr volles Potential und qualifizierte sich als bestes Team der Südliga für die deutsche Meisterschaft. Auch mit der Herrenmannschaft mussten wir uns nicht verstecken. Nur gegen die damals sehr starke Kölner Mannschaft mussten wir uns geschlagen geben, konnten uns aber dennoch als zweiter der Westliga für die Playoffs qualifizieren.

In den finalen Wochen meines FSJ erhielt ich dann die Nachricht, dass ich es in den Praticesquad der Herrennationalmannschaft geschafft hatte, damit war eines der zwei Ziele vorerst erreicht. Dann ging es mit den Herren zu den Playoffs in Hannover. Hier stand im ersten Spiel wieder Köln als Gegner fest. Wie schon in der Liga bewies sich Köln als eines der besten Teams in Deutschland und schlug uns sehr deutlich. Im zweiten Spiel ging es dann gegen BLAX, aber auch hier konnten wir aufgrund von fehlender Erfahrung unsere PS nicht auf die Straße bringen und verloren auch dieses Spiel. Damit war die Saison mit den Herren beendet und der Fokus lag voll auf der DM mit den U16 Junioren. Die DM fand genau eine Woche nach den Playoffs bei den Berlin Open statt. Außer uns hatte sich noch Stuttgart, Kiel und Hamburg qualifiziert. Es war von Anfang an klar, dass sich die Meisterschaft zwischen uns und Hamburg enscheiden würde. So kam es auch. Wir gewannen deutlich gegen Kiel und Hamburg gegen Stuttgart in den Halbfinalen. Im Finale stand es zur Halbzeit 6:3 für Hamburg, doch meine Jungs fehlte nur eine Mut machende Ansprache um sie wieder auf Erfolgskurs zu leiten. Aus eigener Kraft haben die Jungs das Spiel an sich gerissen und die Overtime forciert. Ab hier war klar, dass meine Jungs sich diesen Erfolg nicht mehr nehmen lassen und holten dann auch den Pott nach Hause. Auch das zweite Ziel war erreicht.

Alles in allem war das FSJ genau das richtige für mich. Ich konnte danach mit gutem Gewissen sagen, dass ich weiterhin in Frankfurt bleiben und studieren möchte. Der Club und die Mannschaften, in denen ich spielte oder die ich coachte, sind zu einem zweiten Zuhause und einer zweiten Familie geworden. Das FSJ hat mich sowohl persönlich als auch sportlich auf eine ganz neues Level gebracht. Es macht mich extrem stolz zu sehen wie Jugendspieler zu Mannschaftskameraden und Nationalmannschaftsspieler heranwachsen. Nach meinem FSJ habe ich angefangen Wirtschaftswissenschaften an der Goethe Universität zu studieren, wurde zum Captain der Herrenmannschaft gewählt und coachte noch ein weiteres Jahr die U16 und den Uni-Sportkurs. Wir konnten uns als regelmäßige Playoffteilnehmer etablieren und gelten diese Saison als einer der Favoriten auf die Meisterschaft.

Ich würde jedem, der nach der Schule nicht weiß, was er machen soll, ein FSJ empfehlen. Man lernt nochmal viel über sich selbst und ist nur für ein Jahr gebunden. Es macht mega viel Spaß und man hat genug Zeit, um sich über seine Zukunft Gedanken zu machen. Der deutsche Lacrosse-Sport profitiert extrem von FSJlern und man wird selbst auch zu einem viel besseren Spieler.

Alle die sich für ein FSJ interessieren, sollten sich Anfang des Jahres darüber Gedanken machen, da das FSJ meistens im September anfängt. Die Bewerbung läuft über das Sekretariat des Clubs/Vereins! Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zu Verfügung! Constantin.klinger@gmx.net

Beste Grüße!

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